|
►Gelex ►Frühe
Hochkulturen ►Anatolische
Kulturen
|
|
|
Die
Seevölker
|
|
|
Bezeichnung für
mehrere Völker
ägypt.: "die Nordmänner auf ihren Inseln"
Dardaner, Philister, Scherden, Schekelesch,
Keschkesch, Irwen, Kreter
|
Allgemeines
-Vorgeschichte
-Frühe Raubzüge
-Schlacht gegen Ramses III.
-Die Philister im Alten Testament
-Folgen der Seevölkerwanderung
Links
►Ägäische Wanderung
|
|
Allgemeines
Die Bezeichnung Seevölker kommt ursprünglich aus Ägypten und bezeichnet die Völker, die während der
ägäischen Wanderung über die See wanderten.
|
|
|
Vorgeschichte
und Ursprung der Seevölker
Die Adriatheorie
Die
Seevölkerwanderung nach der Adriatheorie
|
|
Die Seevölker haben nach der Adriatheorie ihren
Ursprung im nördlichen Balkanraum und wurden aufgrund mehrer
Wanderungsbewegungen die unter der sogenannten Ägäischen Wanderung zusammengefasst
werden mitgerissen. Die Ursache der Wanderungen war wahrscheinlich die
Ausbreitung der Urnenfelderkultur, der Veneter und Illyrer aus
Mitteleuropa, aus dem Gebiet zwischen Oder und Saale nach Süden zur
nördlichen Adria und durch den Balkan nach Griechenland. Eines der
einwandernden oder der verdrängten Völker wanderte zu den Inseln der
nördlichen Adria und erlernte den Schiffbau. Einzelne Gruppen brachen dann
ungefähr im 13. und 12.Jh. v. Chr. in mehreren
Fahrten nach Italien, Griechenland und Kreta. Die
ägyptischen Quellen berichten u.a. von den Tuschra (Tyrenser (?), welche
als Vorfahren der Etruskischen Kultur angesehen werden könnten, was
jedoch nicht sicher ist. Sie kommen vermutlich ursprünglich aus der
Ägäis und kamen nach während der ägäischen Wanderung nach Italien (vgl.: Vergils Äneis). Auch die
Sarden, ein
nicht-indoeuropäischer Stamm kam vielleicht während der Seewanderung nach Italien
und gab Sardinien seinen Namen. Die protoillyrischen Sikuler (ägypt.:
Scheckelesch(?) wanderten vielleicht nach Sizilien und gaben der Insel ihren Namen. Die Seevölker setzen sich im griechischem
Raum fest und vernichten die mykenischen Städte und vielleicht sogar
Troja. Sie gründeten
Herrschaften auf Kreta, in Kilikien, in der Ägäis, im Süden
Thrakiens die später von den
Dorern erobert wurden. In Kleinasien gründeten sie mehrere Kleinstaaten.
In Phönizien bei Dor und
Tyros und auf Zypern bildetn sich kurzlebige Herrschaften der Seevölker welche
jedoch später von den Griechen zerstört wurden.
Die Kleinasien Theorie Um
1200 v. Chr. herrschte in Kleinasien eine Hungersnot, was an ägyptischen
Getreidelieferungen an das Hethiterreich erkennen zu ist. Zusätzlich
zerfiel seit dem 14. Jh. v. Chr. die soziale, politische und
ökonomische Ordnung des Hethiterreiches. Innerhalb des Hethiterreiches
verarmten große Bevölkerungsteile und schlossen sich Räuber und
Piratengruppen an. Letztere befanden sich seit je her in Buchten an der
Südküste Kleinasien und begannen um 1200 v. Chr. mit Raubzügen, boten sich jedoch auch als Söldner an.
|
Links
►Ägäische Wanderung
|
|
Seevölker im Dienst der Großmächte
Die Seevölker in Kleinasien dienten dann auch als Söldner im hethitischem
Heer. So bestand die hethitische Koalitionsstreitmacht bei der Schlacht
von Kadesch gegen Ägypten neben Truppen hethitischer Vasallenstaaten und
syrischer und kleinasiatischer Kleinstaaten auch aus Dardanern, Mysern,
Pisidern und Lykiern. Auch auf ägyptischer Seite unter Ramses II. dienten
zuvor besiegte und gefangengenommene Scherden (Sarden / Sardinier) als
Hilfstruppen.
|
|
Raubzüge der Seevölker
Um
1208 v. Chr. startetn die Libyer, ein den Berbern angehörender Stamm der mit den Seevölkern
der Achäer, Tyrsener, Lykier, Sarden und Sikuler verbündet war einen Großangriff auf Ägypten. In den Quellen Herodots
die ungefähr 800 Jahre nach dem Libyerangriff niedergeschrieben wurden,
wird berichtet, dass die Libyerfürsten relativ hellhäutig und blauäugig
waren, was auf mögliche Verwandtschaften mit den Seevölkern schließen
lassen kann. Außer diesen ungenauen Informationen wird jedoch nichts
näheres über die Herkunft der libyschen Herrscherfamilien und deren möglichen
Verbindungen zu den Seevölkern berichtet. Es könnten jedoch angehörige
der Seevölker an der Küste Libyens und Ägyptens
gelebt haben. Um 1208 v. Chr. erlitten diese
von Westen kommenden Seevölker gegen Pharao Merenptah eine
Niederlage. Während
einer schwachen Zeit des Hethiterreiches, das von Hungersnöten und
inneren Unruhen geplagt wurde und der Wirren in Ägypten nach der
19.Dynastie starteten die Seevölker einen neuen Raubzug im östlichen
Mittelmeer. Von der Ägäis aus zogen sie entlang der Ost- und südkleinasiatischen
Küste entlang und zerstörten dabei mehrere große
Hafenstädte. In Kleinasien zerstörten sie u.a. auch Hattusa im Jahr 1180
v. Chr. , die hethitische Hauptstadt, was an einer Brandschicht aus dieser
Zeit zu erkennen ist. Sie vernichtetn somit das hethitische
Großreich. Jedoch scheint ihr Angriff nicht überraschend gekommen zu
sein, da kurz vor der Zerstörung die Stadtmauern verstärkt worden
waren. Kurz vor der Zerstörung der Stadt verschwanden alle
schriftlichen Aufzeichnungen. Nach Aufzeichnungen sollen sie mit
Schiffen die mit hölzernen Vogelköpfen an Bug und Heck geschmückt worden
waren und über einen
Rammsporn verfügten, gekommen sein. Mit diesen Schiffen sind sie die Küste entlang
gefahren, während sie auf dem Land mit Ochsenkarren entlangzogen.
In Berichten warnten syrische Städte vor den "Šikila-Leuten".
Von den Hethitern übernahmen sie die Kunst der
Eisenverarbeitung, was ihnen einen entscheidenden Vorteil verschaffte. In
Syrien zogen sie bis nach Karkemisch am Euphrat. In Phönizien eroberten
sie die Küstenstädte Ugarit, Byblos, Sidon und Tyros. Die Seevölker bauten nach dieser ersten Offensive in Syrien Lager auf und
bereiteten sich
auf einen Angriff auf das ägyptische Gebiet vor. In den Ebenen des
heutigen Israels wurden die Städte der Kanaanäer vernichtet. Sie eroberten
die Insel Zypern, wovon aus Handwerker in das spätere Land der Philister
übersiedelten und somit die für die Philister typische Töpferkunst
einführen.
|
|
|
Die Schlacht gegen Ramses III.
Um 1190 v. Chr. wurden die Seevölker die
mit den Libyer verbunden sind nach mehreren Schlachten mit Ägypten
entgültig in der Seeschlacht gegen Ramses III. in der Nähe von Port Said
am Nildelta vernichtet. In Ägyptern wird von einer Koalition der
Seevölker der Akawascha (Ächäer ?), Lukka (Lykier ?), Peleset (Philister?)
Teukrer, Danuna und der Schardana (Sarden?) berichtet. Zuvor wurden die
Landverbände der Seevölker von ägyptischen Streitwagen aufgerieben. In
der Seeschlacht in einem Nilnebenfluss im Nildelta sind die Segelschiffe
der Seevölker aufgrund einer Windstille manövrierunfähig und durch die
Nahkampfwaffen, den ägyptischen Bogenschützen auf den Ruderbooten
schutzlos ausgeliefert. Der Pfeilhagel dezimieret die Bootsbesatzungen der
Seevölker, deren Schiffe anschließend zum Kentern gebracht werden. Den
Gefangenen und getöteten Invasoren wurde anschließend eine Hand
abgeschnitten und auf einen Haufen gestapelt um die besiegten Feinde
zählen zu können. Die Gefangenen werden anschließend von den
ägyptischen Offizieren verhört.
|
|
|
Die Philister
im Alten Testament
Nach der Schlacht werden die Philister aus (hebr.:) Kaftor
(Kreta?) oder und andere Seevölker wie die Kreter (hebr.:
Keretim) in Kanaan im heutigen Israel sie wurden wohl als Militärkolonnen
angesiedelt. Die Philister beherrschen dort fünf Stadtstaaten: Askalon, Gaza,
Aschdod, Ekron und Gat, die einen Fünfstaatenbund bildeten. Auch in der
Bibel wird von Söldnern der Seevölker berichtet die im Dienst Salomons
als seine Leibwache standen.
"Benaja, der Sohn Jojadas war über
die Kreter und Pleter gesetzt; auch die Söhne Davids sind Priester
gewesen." (2.Samuel 8.18)
|
|
|
Folgen
der Seevölkerwanderung
Die Seevölkerwanderung erschütterte die
politischen Verhältnisse im östlichen Mittelmeer. Die Vernichtung des Hethiterreiches
und die Schwächung der anderen Großreiche wie Ägypten
und Assyrien, ermöglichten die Entstehung neuer
Reiche, besonders in Kleinasien und den Levantengebiete wie Syrien,
Kanaan. So entstand in Kleinasien das lydische und das phrygische Reich.
In Syrien die neuhethitischen
Reiche wie Karkemisch, Sam'al
und Tell Halaf, und es beginnt der Aufstieg der phönizischen Stadtstaaten
wie Tyros, Sidon und Byblos. Die Seevölker beherschten nach den
Seevölkersturm die Städte Dor und Sidon, sowie die kaananitische Küste.
|
|
|
Literaturverzeichnis und Quellenangabe
Propyläen Weltgeschichte Band 1 & 2,
Propyläenverlag
Fischer Weltgeschichte Band 1 Vom Paläolithikum bis
zur Mitte des 2.Jahrtausends, Fischer Verlag, Frankfurt am Main 1965
Keller, Werner, Und die Bibel hat doch Recht,
Hamburg 1989
|
|
|
©Michael Ziemann 10:28 27.10.2002
|
▲Seitenanfang |